Seminar „Segelflieger, Drachen, Paragleiter im selben Luftraum“

Ein emotionsgeladenes Thema. Trotzdem hatte sich die Zahl der Anmeldungen in überschaubarem Rahmen gehalten. Noch dazu waren beste Flugbedingungen, während wir im Seminarraum saßen und noch weitere das Seminar per Video-Livestream verfolgten. Aber es zahlte sich aus.

Obmann Peter Behofsics hatte Robert Zinnecker als Referenten gewonnen, den Sicherheitsbeauftragten des Flugring Wiener Neustadt.

Gleich vorweg: Segelflieger sind mindestens ebenso wie wir daran interessiert, eine Kollision zu vermeiden, auch weil sie wahrscheinlich den größeren Schaden davon tragen würden. Obwohl wir rechtlich gleich gestellt sind, ist es die Sache der Segelflieger, auszuweichen. Wir Luftbojen sind gut sichtbar, und mit unserer geringen Geschwindigkeit können wir nicht sinnvoll ausweichen.

Peter Böhm hatte eine knappe Begegnung minutiös analysiert. Auf seine Frage, ob der Segelflieger die beiden Paragleiter am Flarm hätte sehen können, konnte Robert Zinneccker beruhigen: Die Zeit, in der das Flarm nicht um’s Eck (in diesem Fall um den Leitergrabenturm) sehen konnte, ist vorbei. Alle Flugzeuge des Flugring sind mit Flarm ausgestattet. Nicht alle Paragleiter haben das, es ist aber – wie man an diesem Beispiel sehen konnte – sehr empfehlenswert.

Nachtrag: Live Tracking (wie z.B. von Burnair Go) ersetzt kein Flarm.

Wenn nach einer Begegnung Klärungsbedarf besteht: Mail an office@soaringclubhohewand.at. Wir können über JetVision und den jeweiligen Segelflieger-Verein den Kontakt zum Piloten herstellen.

Paragleiter erschrecken öfters, wenn plötzlich ein Segler mit 200 km/h unter ihnen durch rauscht. Das ist aber das normale Ausweichmanöver. Der Segler drückt hinunter, nimmt dabei Fahrt auf, und fliegt unter dem Paragleiter durch. So ist das Flugzeug besser steuerbar, außerdem behält er den Paragleiter im Blick. Danach zieht er wieder hoch, wobei das Flugzeug die Geschwindigkeit in Höhe umsetzt und fast die gleiche Höhe wieder erreicht.

Unsere Bitte an die Segelflieger: Rechnet dabei bitte ausreichend vertikalen Sicherheitsabstand ein, da es vorkommen kann, dass der Paragleiter bei Turbulenzen innerhalb weniger Sekunden 50-60m Höhe verlieren kann.

Was wünschen sich die Segelflieger von uns? Fliegt vorhersehbar!
Auf geradem Kurs: behaltet den Kurs bei, bis der Segler vorbei ist.
Beim Kurbeln: Behaltet bitte die Drehrichtung bei! „Plötzlich Taucht dieser … (zensuriert) von der anderen Seite im Blickfeld auf“
Beim Verlassen der Thermik ist ein Handzeichen (Arm nach vorne) hilfreich.
Segelflieger-Piloten sehen, wo der Paragleiter-Pilot hinschaut. Sie wissen, ob sie gesehen werden.

Ob Paragleiter Funk haben sollen? „Wenn ich mit dem Schirm fliege, bin ich froh, nicht funken zu müssen“. Die Einfachheit dieses Flugsports macht auch seinen Reiz aus und sollte nicht durch zu viel Technik überfrachtet werden.
Wenn doch: 122,805 MHz ist die „Paragleiter-Frequenz“. Dazu benötigt man ein Flugfunk-Zeugnis.

Die Segler verwenden uns auch als Thermikzeiger. Dagegen ist nichts einzuwenden.

Die erfahrenen Segelflieger halten sich nicht lange bei der Hohen Wand auf. Sie machen Höhe und gehen auf Strecke. Die weniger erfahrenen fliegen an der Wand hin und her. Und die trauen sich nicht in die Nähe von Schirmen.

Stephan Wirgler ergänzt: Wer in die Nähe eines Paragleiters fliegt, ist wahrscheinlich selber einer.

Da war doch so manche wichtige Neuigkeit für uns dabei! Ein Beitrag dazu, die Freude am Flugsport und an unserem hervorragenden Fluggebiet gemeinsam zu genießen!